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Wir haben Mai 2004 und ich bin wieder in Amerika/Texas um ein wenig zur Ruhe zu kommen. Mein Mann Werner und ich haben Anfang des Jahres beschlossen für Swantje eine Hompage zu machen. In der Rohfassung ist nun alles fertig und jetzt möchte ich eigentlich die letzten ein-einhalb Jahre noch einmal an mir vorbei ziehen lassen. Hier bei meiner Tante werde ich wahrscheinlich die Ruhe, finden um meine Gedanken nieder zu schreiben.Es wird wieder alles vor meinen Augen wie ein Film ablaufen, aber nur so kann man es wahrscheinlich verarbeiten.

Es ist nicht leicht, seine Gedanken zurück zu versetzen. Der 08.12.2002 war ein ganz normaler zweiter Advent, mit einem fast gemeinsamen Frühstück , die Kinder kamen in Etappen in die Küche. Swantje wollte an diesem Tag mit ihrem Freund ins Thermalbad nach Bad Emstal, eigentlich wollten sie aber die neue Couch in ihr neues Zimmer tragen. Dies ist leider nicht mehr von ihr gemacht worden. Ihr Freund sollte an diesem Tag auch früher da sein, auch dies ist nicht geschehen. Er kam erst gegen 11.15 Uhr. Gegen 12.15 Uhr kamen die beiden die Treppe herunter, beide mit den Rucksäcken auf dem Rücken um zum Schwimmen zu gehen. Ich hatte noch Freikarten für die Kinder, was Swantje mir nicht so ganz glaubte und ich ihr noch 5,00 Euro geben musste, dann sind sie gefahren. Das war das letzte, was ich von Swantje gehört habe.

Die nächste Nachricht kam um 15.04 Uhr per Telefon von ihrem Freund, sie hätten einen Unfall, irgendwo bei Bad Emstal, meine Antwort war, wir finden euch schon, seine Antwort war, Swantje verliert das Bewusstsein, ich habe gesagt: wir kommen sofort.

Ich habe meinen Mann gerufen, die Kinder haben einen Unfall, meine Stimme muss sehr eindringlich geklungen haben. Er hat den Kindern nur noch gesagt, sie sollen hier bleiben, Swantje hätte einen Unfall. Da wir ihrem Freund unser Auto gegeben haben, mussten wir mit unserem Transit fahren. Als wir aus dem nächsten Ort (Lohne)hinaus fuhren, sahen wir unser Auto auf dem Acker liegen, auf der Strasse standen 2 Rettungswagen und die Polizei. Wir haben unser Auto sofort angehalten und sind zu unserem Auto hinunter gelaufen, wo die Rettungsärztin und 2 Sanitäter um Swantje bemüht waren.

Ich konnte meine Tochter nicht richtig sehen,da die Rettungssanitäter und die Ärztin so knieten, dass ich nur die Hose und Schuhe sehen konnte. Der eine Sanitäter fragte uns, wer wir sind, und ich sagte, dass wir die Eltern sind. Worauf er zu meinem Mann sagte, wir sollten oben an der Straße warten. Wir haben beide gespürt, dass es Swantje sehr schlecht geht. Auf dem Weg zur Straße habe ich noch gehört, dass der Rettungshubschrauber bestellt ist; da war noch einmal Hoffnung. Aber es kam keiner und die Hoffnung schwand. Mein Mann lief auf der Straße immer auf und ab und versuchte zu telefonieren. Mich haben sie gebeten in den Rettungswagen zu steigen und zu warten. Andreas, von Swantje der Freund, war schon im Wagen, seine kleine Schnittwunde am Kopf war verbunden worden.

Im Nachhinein muß ich feststellen, dass Zeit ein relatives Wort ist, es kam mir vor wie eine Ewigkeit und es waren nur Minuten. Ich wollte immer aus dem Wagen sehen, um einen Blick auf Swantje zu erhaschen, Aber man kann aus diesem Auto nicht hinaus schauen. Man fühlt sich wie in einem Käfig. Ich hätte ja hinausgehen können, aber ich kam mir vor wie eine Marionette. Dann ging die Tür des Wagens auf und die ärztin stieg ein. In meinem Inneren habe ich gespürt, dass es furchtbar ist, aber wie schlimm es wirklich war, sagte sie in ganz nüchternen Worten:" Ihre Tochter ist noch an der Unfallstelle verstorben".

Schock, ich lege meine Brille an die Seite, weil die Tränen anfingen zu laufen und ich am liebsten schreien würde, aber dazu kam es nicht mehr, denn in diesem Moment hat Andreas in dem Auto angefangen zu randalieren. Mein Schrei kam nicht mehr und wir haben Andreas mit einer Injektion ruhiggestellt.

Ich war wie betäubt, man kannst keinen klaren Gedanken fassen. Ich ging zu meinem Mann, er wusste es auch schon, von wem weiß ich nicht. Ich sagte zu ihm, wir müssen Sieglinde anrufen, dass Swantje von ihr geholt werden kann(sie ist eine gute Freundin der Familie und sie haben ein Beerdigungsunternehmen in Wolfhagen), aber mein Mann sagte, dass das nicht ginge, sondern ein Beerdigungsunternehmen von Fritzlar kommen würde um Swantje abzuholen,unsere Tochter lag noch 2 Stunden in der Plane am Unfallort vor dem Auto auf dem Acker. Es ist für eine Mutter unvorstellbar, dass so etwas gemacht werden kann . Die Polizei sagte uns, dass Swantje nicht angeschnallt war und die Staatsanwaltschaft sich eingeschaltet hätte. Somit wurde Swantje nach Giessen in die Gerichtsmedizin gebracht.

Wir sind wie im Nebel nach Hause gefahren, es kam mir so unendlich lang vor der Weg, es sind aber nur Minuten. Mein Mann hatte schon unsere Tochter Anjuschka angerufen um ihr zu sagen was passiert ist( sie war zu dem Zeitpunkt 15 Jahre). Als wir zu unserem Haus kamen, haben alle Kinder und Swantjes beste Freundin auf dem Hof gestanden und weinten, Es war nicht vorstellbar, dass Swantje nie mehr nach Hause kommen sollte, nie mehr ihr Lachen zu hören wäre. Von einer Sekunde zur anderen hatte sich alles verändert.

Wir sind noch zu Andreas Eltern gefahren, die auch bei uns im Ort wohnen und haben Bescheid gesagt.

Mit uns sind auch gleichzeitig meine Freundin mit ihrem Mann angekommen, auch für sie nicht zu begreifen was eigentlich passiert ist, es ist unfassbar. Im Haus ist eine Totenstille, nur das Weinen der Kinder ist zu hören. Immer noch kann man keinen klaren Gedanken fassen.

Im Nachhinein, durch die Erzählungen von meinen Freunden, ist mir bewusst geworden wie wenig Zeit eigentlich vergangen ist, im Bezug auf die Anrufe, die ich gemacht habe.

Ich war damals so froh, dass ich meiner Mutter die Nachricht nicht überbringen musste. Sie war bei einer Freundin in Saarbrücken und sie hielt einen Mittagsschlaf. Sie hat ihr dann die traurige Nachricht gesagt. Ich habe Stunden am Telefon verbracht, um es allen Freunden und den Verwandten zu erzählen. Der größte Teil unsere Familie lebt in Amerika, wo ich mit Swantje im Sommer auch Urlaub gemacht habe, sie war dort wie zu Hause. Sie ist im Herbst mit Anjuschka noch einmal dort gewesen, weil Ihre Kusine geheiratet hat und auf den Home - coming - Ball zu gehen, es war das letzte Mal, dass sie drüben war, 6 Wochen vor ihrem Tod.

Auch meine Tante Anke, wo Swantje war, hatte ich angerufen, sie hat alle anderen benachrichtigt auf diesem Kontinent. Anke berichtete mir später, wie sie am nächsten Morgen an die Arbeit gefahren ist, sie hat die Geschwindigkeitsbeschränkung nicht eingehalten und ist von der Polizei angehalten worden. Sie erzählte dem Polizist was passiert war und er sagte, sie solle jetzt vorsichtig weiterfahren, da es auch nicht mehr weit zur Arbeit war, ihre Gedanken waren auch nicht da wo sie eigentlich seien sollten. Auch dort ist Swantje sehr geliebt worden. Wenn ich in Amerika bin, unterhalten wir uns sehr oft über Swantje. Seit ihrem Tod bin ich schon das zweite Mal dort.

Es sind an diesem Tag auch schon einige gekommen, um uns zu trösten. Unser Pfarrer ist auch noch am Abend erschienen, seine Frau hatte ihn benachrichtigt. Er ist uns in dieser Zeit eine große Hilfe gewesen in seinem christlichen Beistand. Er kannte Swantje sehr gut, da sie von ihm auch konfirmiert worden war. Ich weiß nicht, wie die Zeit verflogen ist. Gegen 21 Uhr kam dann meine Mutter. Sie war sehr ruhig, mit rotgeweinten Augen, und hat alles in die Hand genommen, was es an diesem Tag noch zu richten gab.

Als wir spät Abend ins Bett gegangen sind, habe ich gedacht, wie kannst du schlafen wenn dein Kind tot ist. Der Körper ist in diesem Moment einzigartig, er lässt deine Seele zur Ruhe kommen und ich konnte schlafen.

Der nächste Tag war sehr schwer, wir sind sehr früh wach gewesen. Mein Mann ist ab diesem Tag bis ins neue Jahr auch nicht mehr zur Arbeit gefahren. Es ging einfach nicht, man hat einfach keine Kraft und die Gedanken gehen immer auf Wanderschaft. Auch die Kinder sind nicht mehr in diesem Jahr in die Schule gegangen. Swantjes Tod hatte sich im Freundeskreis, und die sie kannten, schon am Sonntag sehr schnell herum gesprochen, mit dem Zeitalter eines Handys ging das ganz schnell. Meine Mutter und ich sind zur ersten Schulstunde in die Klasse gegangen mit einem Bild und einer Kerze von Swantje. Auch die Klasse wusste schon Bescheid, die Schüler waren alle sehr erschüttert und traurig. Swantje war in der Abschlussklasse und ihr Bild und die Kerze sind auf ihrem Platz geblieben bis zum Ende des Schuljahres.

Ich weiß noch das wir die Kränze und Schleifen bestellt hatten, da wir ja nicht wussten, wann wir Swantje beerdigen konnten. Zu Hause um die Mittagszeit erschien ein sehr guter Freund, der eine Zeit nicht bei uns war, da er krank war. Meine Freundin hatte ihm Bescheid gesagt und er ist sofort gekommen. Sonst weiß ich von diesem Tag nicht mehr viel. Etwas war da noch, unser Pfarrer ist jeden Tag vorbei gekommen, wir mussten mit ihm ja auch die Trauerfeier besprechen. Natürlich ist auch Sieglinde gekommen um mit uns alles zu besprechen, die Anzeigen in der Zeitung, die Anzeigen, die verschickt wurden. Den Sarg hatte meine Mutter schon am Montagnachmittag bei Sieglinde ausgesucht, es war eine heller Eichensarg und innen war er weiß und blau in der Ausstattung, auch darüber bin ich froh, dass meine Mutter dies für uns erledigt hat. Nachdem wir nun alles erledigt hatten, kam das lange Warten. Wann wird Swantje freigegeben werden von der Staatsanwaltschaft.

Ich hatte am Sonntag auch meine Freundin in Köln angerufen. Sie hat sich noch an diesem Abend von einer Freundin zu uns bringen lassen. Yelles war mir in dieser Woche mit unserem Freund Jörg eine sehr große Hilfe, ohne diese beiden hätten wir diese Zeit nicht überstanden. Es sind in der Woche so viele Menschen bei uns gewesen, und Yelles hat immer wieder Kaffee gemacht, und es ist jeden Tag von jemandem aus dem Freundeskreis Essen gebracht worden. Es lief, ohne dass ich etwas machen brauchte.

Am Mittwochabend sagte meine Mutter uns, dass Swantje schon seit Montagabend wieder in Fritzlar bei dem anderen Beerdigungsunternehmen in der Kühlkammer sei, wir ihr aber versprechen mussten, dass wir nicht hingehen, sondern warten, bis sie freigegeben wäre und sie in unserer Leichenhalle aufgebahrt wäre. Das versprachen wir ihr. Da Swantje schwerste Schädel und Hirnverletzungen hatte, musste Sie auch erst hergerichtet werden, ich bin froh, dass wir es so gemacht haben, mit diesem Bild, wie sie ausgesehen hat, hätte ich nicht gut leben können.

Im Freundeskreis waren nach und nach die Anzeigen in der Zeitung erschienen, nur unsere noch nicht, weil wir immer noch kein Datum zur Beisetzung hatten.

Dann am Freitagmorgen die erlösende Nachricht, Swantje ist freigegeben. Sieglinde hatte sofort die Anzeige aufgegeben mit dem Datum, Montag den 16.12.2002. Gegen 11 Uhr kam Sieglinde mit den Anzeigen und Gebetskärtchen. Mit mehreren Frauen haben wir am Tisch gesessen und haben die Anzeigen für die Post fertig gemacht. Gegen 13 Uhr kam Swantje dann nach Haddamar in unsere Friedhofshalle. Meine Mutter, Sieglinde, Gertrud, mein Bruder, ein Visagist und der Sohn von Sieglinde, all diese Menschen haben sich darum bemüht, dass Swantje fast genauso ausgesehen hat, wie zu Lebzeiten. Gegen halb sechs Uhr konnten wir uns unsere Tochter endlich ansehen.

Der Tod ist die Unendlichkeit mit der man Leben muss, wir werden nicht gefragt, ob wir es annehmen oder damit leben wollen, wir müssen einfach, und es ist so schwer damit zu leben.

Ich bin so unendlich froh, dass wir uns von Swantje in dieser Weise verabschieden konnten. Ich konnte wenigstens noch einmal ihre Hände und das Gesicht streicheln auch wenn es eiskalt war, aber meine Hände haben ihre ein wenig erwärmt. Einen Teil der verletzten Gesichtshälfte hatte meine Mutter mit roten Rosen zugedeckt. Sie hatte ein bisschen noch die Augen auf und der Mund war auch nicht ganz zu, man konnte sogar ihre schönen Zähne sehen und der Kopf war ein bisschen geneigt. Wir haben Swantje das ganze Wochenende in der Friedhofshalle offen aufgebahrt gelassen, damit sich jeder, der es wollte, noch einmal zu ihr gehen konnte. Es waren viele die kamen.

Am Sonntagabend haben wir mit unserem Pfarrer in einer kleinen Feierlichkeit mit Freunden und Verwandten Swantje ausgesegnet. Um viertel vor achtzehn Uhr habe ich gesagt, sie sollen den Sarg schließen. Es war einer der schwersten Momente, sie nie wieder zu sehen und nie mehr anzufassen. Wir alle haben sehr viele Tränen geweint, selbst jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe laufen mir die Tränen. Nun ist sie schon 1 Woche tot, man will es überhaupt nicht wahr haben, Sie muss doch nun endlich aufstehen und zur Tür reinkommen, aber durch diese Tür wird Sie nie wieder rein kommen.

Es ist der 16. Dezember 2002, der Tag, an dem unsere Tochter beerdigt werden soll. Am Morgen wahr es noch sehr trüb, so wie meine Seele sich auch fühlte. Unser Pfarrer hatte beschlossen, die Trauerfeier in der Kirche abzuhalten und nicht wie sonst üblich in der Trauerhalle am Friedhof. Es war eine weise Entscheidung. Zuerst habe ich mir die geschmückte Kirche angesehen mit Swantjes Bild ( der Sarg mit unserer Tochter ist in der Friedhofshalle geblieben) und den ersten Blumen und zwei kleinen wunderschönen Kränzen. Achim und sein Freund hatten am Sonntag in der Kirche auch schon alles aufgebaut, sie würden das Lied singen "Swannis Ros". Danach bin ich zum Friedhof gelaufen um zu sehen, ob die Leute vom Gärtnerhof schon da sind, ja sie waren da. Es sind so viele Kränze gekommen, diese Menge war für mich unfassbar. Man war gerade dabei das Gesteck auf den Sarg zu befestigen, immer noch unfassbar, dass Swantje dort drinnen lag und kein Wort mehr sagte. Muttti hatte ganz viele verschiedenfarbige Rosen gekauft, von denen ich einen Teil genommen habe um sie in das Grab zu werfen, damit Swantje auf Rosen gebetet ist.

Um 13 Uhr 30 sind wir dann in die Kirche gegangen, es empfing uns eine riesige Menschenmenge, irgendwann, während der Trauerfeier wurde die Kirche geschlossen, weil sie überfüllt war, der Rest der Trauernden musste vor der Kirche stehen bleiben. Es war eine riesige schwarze Traube von Menschen. Soviel Menschen hatte unser Ort noch nie bei einer Beerdigung gesehen. Nach der Trauerfeier sind wir in einer langen Reihe, die nicht enden wollte, zum Friedhof gegangen, wo uns ein Panflötenspieler empfangen hatte. Wir hatten die Bitte ausgesprochen, dass wir Swantje selber zu Grabe tragen würden und sie nicht auf dem Wagen gefahren wird. Mein Mann, mein Bruder, ein sehr guter Freund haben ständig getragen, die anderen Drei haben sich abgewechselt mit anderen.

Ich habe mit meiner Familie über 2 Stunden am Grab von Swantje gestanden um die Beileidsbekundungen entgegen zu nehmen. Wieviele weinende junge Menschen ich an diesem Tag im Arm gehalten habe, weiß ich nicht mehr. Es war sehr tröstlich zu sehen und zu spüren wieviele Menschen unsere Tochter gemocht haben und somit ihr das letzte Geleit gaben. Für mich war das alles wie in einem Schockzustand. Man muss doch ganz allmählich erwachen, dieser Alptraum muss nun endlich vorbei sein! Aber er ist es nicht, und die Zeit die dann kam, war noch schlimmer. Man kann sich das überhaupt nicht vorstellen, wenn man es nicht selber erlebt hat, es ist unvorstellbar.

Wie das erste Weihnachten ohne unsere Swanni gewesen ist, brauche ich nicht zu erzählen. Wir waren alle froh, als die Festtage vorbei waren. In den Wochen nach Swantjes Tod haben sich in unserem Kreis und in Kassel sehr viele tödliche Verkehrsunfälle mit jungen Menschen ereignet. Meine Gedanken sind dann zu diesen Familien gewandert und ich habe gedacht: jetzt fängt dasselbe auch bei diesen Menschen an, wo wir gerade sind.

Man sagt: Die Zeit heilt alle Wunden, aber das stimmt nicht. Die Wunden verschorfen, aber heilen werden sie nie mehr. Der Schmerz wird nur ein anderer.

In 2003 wäre Swantje 18 Jahre alt geworden, ein Tag auf den sie sich schon sehr gefreut hatte. Sie hätte den Führerschein und wäre auf das Gymnasium gewechselt, um ihr Abitur zu machen. All dies werden wir nun nicht mehr mit ihr erleben. Aber trotzdem haben wir ihren Geburtstag in ihrem Gedenken gefeiert. Zu diesem Anlass haben wir eine Gedenkschrift entstehen lassen. Auszüge davon haben wir in dieser Homepage eingearbeitet. Es hat uns gefreut, wieviele Freunde von Swantje gekommen sind und mit uns diesen Tag verbracht haben.

Zu dieser Zeit hatte ich wieder angefangen zu arbeiten und habe mich dort hinein gestürtzt, um zu vergessen, aber auch das klappte nicht. Ab Swantjes Geburtstag ging es mir von meinem Gemütszustand immer schlechter, und ich wusste nicht warum. Erst im Oktober, kurz vor meinem Geburtstag fiel es mir auf, es war der erste Geburtstag von mir ohne meine Tochter. Meine Arbeit schleppte sich auch nur noch so dahin und Ende November habe ich wieder aufgehört, da ich auch sehr krank wurde.

Wir hatten uns am Anfang des Jahres 2002 sehr schnell entschieden, dass wir Ende des Jahres das Grab von Swantje fertig haben wollten. Wir konnten den Tod nicht verhindern und somit konnte ich sehr schlecht mit dem Provisorium leben. Anfang Februar haben wir uns für den Grabstein entschieden, weißer Marmor mit grün durchzogen. Er war Anfang November fertig.

Am Totensonntag haben wir in einer kleinen Feierstunde den Grabstein und das Familiengrab eingeweiht.

Swantjes ersten Todestag haben wir mit Freunden zusammen gesessen. Dieser Tag ist wie ein Film abgelaufen, ein Jahr zurück versetzt. Es war wohl in diesem Jahr ein Montag, aber für uns wird es immer der zweite Advent sein und auch bleiben. Die Kerze hat auch für den zweiten Advent eine andere Farbe, wie die anderen Kerzen.

Nun ist es schon das zweite Weihnachtsfest ohne Swantje. Es war noch schlimmer, wie das Erste. Damals war alles wie im Nebel, nur jetzt ist der Nebel weg und man sieht es sehr klar, sie wird nie mehr nach Hause kommen, sie lebt in einer anderen Welt, die für uns noch nicht zugänglich ist, aber in Gedanken ist sie immer bei mir.

Die Zeit vergeht und mir kommt es vor wie gestern, jetzt haben wir schon Anfang Juni 2004. Ich sitze auf der Terrasse bei meiner Tante. Es sind nur noch ein paar Tage, dann fliege ich zurück nach Deutschland. Hier ist ein wunderschönes Wetter und ich sehe im Geist meine Tochter hier herumspringen wie im Sommer 2002. Sie war so gerne hier.

Es sind lange Gedankengänge geworden, aber in diesem Moment sind 1 Jahre eine lange Zeit, auch wenn einem das so nicht vorkommt.
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